Bautzen, 19. Juli 2020
Offener Brief zu den Plänen des rechtsextremistisch eingestuften Rappers Chris Ares in Bautzen
Liebe Bürgerinnen und Bürger Bautzens, liebe Stadtgesellschaft,
sicher geht es Ihnen ähnlich wie uns, denen die gedeihliche Entwicklung von Stadt und Region wichtig sind – die Geschehnisse und entsprechenden Schlagzeilen über Bautzen stimmen besorgt und traurig. Herausragende Aufbauleistungen seit der Wende, großartige Traditionen einer humanistisch gesinnten und weltoffenen Bürgergesellschaft sowie das dem Miteinander gewidmete soziale Engagement vieler Menschen drohen Schaden zu nehmen.
Aufgeschreckt und besorgt wenden wir uns daher heute an Sie alle.
Aktueller Anlass ist die Kunde , dass sich im Geburtshaus Gregorius Mättigs, eines herausragenden humanistischen Arztes und Wohltäters aus dem 17. Jahrhundert, dessen Stiftungen zu den bedeutenden und überregional bewunderten bürgerlichen Traditionen Sachsens zählen, eine dubiose menschenverachtende Institution etablieren will.
Mättigs Geburtshaus zählt zu den wichtigen städtischen Erinnerungsorten, auch wenn dies bisher leider nicht hinreichend vermittelt wird. Wir haben den Eigentümer bereits vor Jahren darauf hingewiesen.
Angesichts der neuerlichen und besorgniserregenden Entwicklung haben wir den Eigentümer gebeten, seiner Verantwortung gegenüber der Stadt, ihrer Geschichte und ihrer zukünftigen Entwicklung gerecht zu werden und einer Überlassung von Räumlichkeiten an rechtsnationalistische und menschenverachtende Kreise, die bereits vom Verfassungsschutz beobachtet werden, zu verhindern. Mättigs Geburtsstadt Bautzen darf sich nicht missbrauchen lassen!!! Wir gehen davon aus, dass der Eigentümer diesen Argumenten gegenüber zugänglich ist. Lassen Sie uns gemeinsam einen Weg finden, der dem Haus und der Stadt eine Zukunft ermöglicht, die von Menschenwürde, sozialer Verantwortung und Weltoffenheit geprägt ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Uwe Koch Christian Tiede
für den Stiftungsrat der Mättig Stiftung Bautzen
Hintergrund:
Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens hat bei der jüngsten Stadtratssitzung bestätigt, dass der als rechtsextremistisch eingestufte Rapper Christoph Aljoscha Zloch, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Chris Ares, einen Treffpunkt in Bautzen einrichten will. Seit 2016 wird er vom bayrischen Verfassungsschutz als „Rechtsextremist“ eingestuft. Die Behörde erkennt in ihm einen „bedeutenden Akteur in der bundesdeutschen identitären Musikszene“.

Die Mättigschen Stiftungen bestanden fast 300 Jahre ohne Unterbrechung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. In der Sowjetischen Besatzungszone wurde ihr Vermögen in einen Sammelfonds überführt. 2007 gründeten Nachkommen aus der Familie des Stifters aus Deutschland, Belgien, Kanada und Brasilien in Bautzen eine neue Dr.-Gregorius-Mättig-Stiftung.

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Offener Brief